
Von Maike Engler, August 2025
Die mitteleuropäischen Sommermonate sind die perfekte Jahreszeit nicht nur für die südamerikanischen Anden, sondern auch für das Amazonasgebiet. Wir verbrachten im August zunächst eine Woche in Arequipa, dem Colcatal und am Titicacasee und reisten dann via Lima nach Iquitos. Die Landschaft Südperus ist wunderschön, aber zugegebenermassen setzten uns die Kälte und die Höhe dort etwas zu, so dass wir es kaum erwarten konnten, in die Tropen zu kommen.
Iquitos / Dschungel
Iquitos, mitten im Herzen des Amazonas-Gebiets hat uns diesbezüglich nicht enttäuscht. Endlich raus aus Rollkragenpullover und Wollsocken! Die hohe Luftfeuchtigkeit, das Zirpen unzähliger Insekten, laute Musik aus jeder Tür und die bunten Häuser entlang des Flusses – ein sehr willkommener Kontrast zur andinen Hochlandwelt. Der Ort selbst besteht aus ein paar Blocks entlang der Uferpromenade, durch die Tag und Nacht ein reger Tuktuk-Verkehr rast. Herrschaftliche Villen aus der Zeit des Kautschukbooms prägen das Stadtbild. Es gibt ausserdem viele Reisende, die sich für eine Ayahuasca-Zeremonie vorbereiten. Jedes Restaurant bietet seine Speisen auch im Stil der vorbereitenden Diät an – also ohne stark gewürzte, salzige oder verarbeitete Lebensmittel.

Nach einer Nacht im Zentrum starteten wir am nächsten Morgen zu unserem eigentlichen Ziel, der Heliconia Lodge, welche etwa 1,5 Stunden stromab von Iquitos im Yanamono-Kommunalreservat liegt. Vom kleinen Hafen geht es hinaus auf den Amazonas. Unterwegs besuchten wir Monkey Island, eine kleine Insel, auf der Affen gepflegt werden, die Opfer des illegalen Tierhandels geworden sind. Sofern möglich werden sie auch wieder in die Freiheit entlassen.
Die Heliconia Lodge liegt auf Stelzen am Fluss, umgeben von hochgewachsenen Palmen und mächtigen Urwaldbäumen. Die Zimmer sind gross und gemütlich mit einer grosszügigen Loggia mit Hängematte, perfekt für eine Siesta. Am Nachmittag stand das Piranha-Fischen auf dem Programm. Mit einer einfachen Bambusrute und einem Stück Fleisch als Köder, fischten wir in einem ruhigen Seitenarm des Flusses. Zurück in der Lodge folgte ein Spaziergang durch den Wald. Dafür erhielten wir in der Lodge passende Gummistiefel. Unser Guide zeigte uns neben der Tierwelt auch einige medizinische Pflanzen des Regenwaldes. Blätter, Rinden und Wurzeln werden von den Einheimischen seit Generationen gegen Fieber, Entzündungen oder Magenbeschwerden eingesetzt. Besonders spannend fanden wir die Creme, die dem Harz des Drachenblutbaums gewonnen wird. Wir verteilten sie auf unsere Wunden und Mückenstiche. Die nächsten zwei Tage verbrachten wir mit einem Programm aus Bootstouren zum Sonnenauf- und -untergang, Spaziergängen im Dschungel und dem Besuch eines indigenen Dorfes nahe der Lodge. Wir haben giftige Spinnen und Schlangen auf einer Nachttour gesehen, aber auch rosa Flussdelfine und die Riesenseerosen. Trotz recht straffem Programm vergingen die Tage wunderbar entschleunigend und faszinierend.
Tarapoto / Ursprünglichkeit
Nach den Tagen im Dschungel ging es für uns weiter nach Tarapoto in der Region San Martín. Sie ist der Übergang zwischen Anden und Amazonasbecken, erreichbar per Direktflug mit Star Peru. Hier haben wir wirklich einen echten Schatz gefunden! Ausser uns sind hier kaum Europäer unterwegs. Wer ursprüngliche, authentische Schönheit wirklich «off the beaten track» sucht, ist hier richtig.

Die Landschaft ist wahnsinnig schön und grün. Sie wird geprägt von Flusstälern, Nebelwäldern und zahlreichen Wasserfällen. Die Gebirgskette Cordillera Escalera liegt nahe und bildet zusammen mit dem Flusstal eine Übergangszone mit hoher Biodiversität.
Wir hatten mit der Pumarinri Amazon Lodge eine geniale Unterkunft, etwa 45 Minuten vom Zentrum entfernt, direkt am Huallaga-Fluss. Hier wurde mit Liebe zum Detail und gutem Geschmack ein Refugium zum Wohlfühlen geschaffen – mit tollen Hütten, gutem Essen und einer wunderbaren Atmosphäre. Die Lodge organisiert Wanderungen im Dschungel, Bootstouren und natürlich den Besuch der zahlreichen Wasserfälle. Wir besuchten den Wasserfall Cascada de Pucayakillo auf eigene Faust. Auch das war problemlos möglich, die Wanderwege sind sehr gut beschriftet und ausgebaut. Mit zahlreichen blauen Morphos um uns hatten wir den Wasserfall für uns allein – eine ganz besondere Form von Luxus.
Ganz besonders angetan hat es uns das kleine Dorf Chazuta. Ca. 40–50 km entlang der schönen Flusslandschaft und buchstäblich «the end of the road». Chazuta ist insbesondere bekannt für seine traditionelle Keramik, bunte Tongefässe, dekoriert mit geometrischen Mustern. Man kann lokale Keramikkünstler treffen und sehen, wie sie töpfern, bemalen, mit Ton arbeiten. Vor den Häusern liegen die Kakaobohnen der Kakao-Plantagen in der Sonne. Verschiedene Initiativen stellen hier Schokolade her. Beeindruckt hat mich vor allem Mishky Cacao, ein Zusammenschluss von Frauen, die sich gegen anfängliche Zweifel der Männer (wer soll dann zuhause Essen kochen?) durchgesetzt und aus der lokalen Frucht ein Geschäft gemacht haben. Sie präsentieren ihre Schokoladen und Pralinen mittlerweile auf Messen in Südamerika und haben einen Online-Shop eröffnet. Chazuta ist charmant, authentisch und unverdorben. Touristen werden – wie übrigens überall im Norden Perus – superfreundlich und als Besucher behandelt.

Chachapoyas / Wolkenkrieger
Unser nächster Stopp war Chachapoyas. Die Fahrt auf der gut ausgebauten Strasse führt acht Stunden durch eine Landschaft mit tollem Ausblick, allerdings auch um sehr viele Kurven, und endet auf 2300 Metern Höhe. Die Umgebung ist geprägt von steilen Schluchten, dichten Wäldern und Wasserläufen.

Im Zentrum der sauberen kleinen Stadt mit ihren Holzbalkonen und Dachterrassen kann man sich sehr gut zu Fuss bewegen. Das lokale Handwerk, kleine Cafés mit regionaler Küche und die freundliche Atmosphäre machen den Ort sympathisch. Wir hatten zudem, einmal mehr, das Glück, passend zu einem der traditionellen Feste der Region da zu sein und erlebten dadurch Musik, Essen und Tanz der Region.
Die Region ist reich an Geschichte; ein Grund für unseren Besuch war natürlich die Besichtigung von Kuélab, einer der bedeutendsten archäologischen Stätten des Landes. Die Ruinen stammen von der Kultur der «Wolkenkrieger» (Chachapoya), die hier etwa zwischen dem 6. und dem 14. Jahrhundert aktiv war, bis sie von den Inka unterworfen wurde. Kuélap war eine bedeutende Siedlung mit mehreren tausend Bewohnern hoch oben auf 3000 Metern mit einer beeindruckenden 360° Aussicht über das Tal des Río Utcubamba. Eine moderne Seilbahn bringt uns nach oben. Vom Eingang geht es durch die massive Schutzmauer, bis man in der Stadt ankommt. Innerhalb der Mauern befinden sich über 400 runde Steinbauten mit dekorativen Reliefs, geometrischen Motiven, Tier- und Gesichtsfiguren. Wir besichtigten Kuélab gemeinsam mit unserem Guide und hatten das Gefühl, dass es hier noch viel zu entdecken gibt – und vieles, was man vielleicht nie vollständig wird aufklären können. Wir sind an dem Tag die letzten Besucher der Stadt, wo sonst passiert das?

Cocachimba / Gocta Wasserfall und Dorfidylle
Nur eine Stunde per Taxi von Chachapoyas liegt das kleine Dorf Cocachimba. Seine Hauptattraktion ist der spektakulären Gocta Waterfall, einer der höchsten Wasserfälle der Welt. Viele Besucher kommen als Tagesausflügler zum Wasserfall, wir jedoch haben im Dorf zwei Nächte verbracht und hätten problemlos länger bleiben können.
Cocachimba ist eines der herzigsten und friedlichsten Orte, an denen wir je gewesen sind. Das Dorf liegt auf 1600 Metern, die Strassen sind «noch» nicht asphaltiert, es gibt keine grösseren Supermärkte und keinen Bankomaten. Dafür gibt es diverse wunderschöne Restaurants mit gutem Essen, nebenbei werden Selbstgestricktes und kleine Souvenirs verkauft. Die Hauswände wurden von lokalen Künstlern bemalt und die Menschen sind super freundlich. Ein Ort, der Ruhe und eine Begegnung mit der Natur, die weder laut noch spektakulär inszeniert ist, sondern einfach echt.

Der Wanderweg zu den Gocta-Wasserfällen startet im Dorf, hier trägt man sich in eine Liste ein, zahlt ein paar Sol und kann losgehen, auch problemlos ohne Guide. Die Tour dauert pro Richtung etwa 2,5 Stunden, es geht auf und ab durch den feuchten, duftenden Nebelwald, durchaus anspruchsvoll, aber wunderschön. Der Pfad führt vorbei an Kaffeepflanzen, Orchideen und anderen tropischen Pflanzen, begleitet vom Gesang der Papageien und anderer Vögel. Immer wieder öffnet sich der Blick auf das Tal und den Wasserfall, je näher man kommt, desto lauter wird sein Donnern. Zurück im Dorf liessen wir den Tag auf der Terrasse im Restaurant mit Blick auf den Wasserfall ausklingen.
Von hier nahmen wir den Nachtbus nach Chiclayo – von dort ging unser Flieger nach Panama. Wer nicht so viel Zeit hat und dazu noch mehr Nordperu erleben möchte, dem empfehlen wir die Route via Leymebamba, Cajamarca und Trujillo. In Nordperu erwarten den Reisenden Ursprünglichkeit und Schönheit abseits der grossen Touristenpfade, man taucht richtig ein ins Land. Die Region ist weniger hoch als der Süden des Landes, aber landschaftlich wahnsinnig abwechslungsreich und wunderschön. Die Begegnungen vor Ort sind authentisch, die Preise fair. Auch kulturell muss sich die Region nicht verstecken.
Diese Reise zeigt eindrücklich, wie vielfältig und überraschend Nordperu ist. Auf unserer neuen Nordperu-Rundreise haben wir genau diese Highlights gebündelt: Amazonas, Wasserfälle, Nebelwälder, koloniale Städte und faszinierende Kulturen. Die Route dient als Inspiration und kann individuell erweitert oder angepasst werden.
Kontaktieren Sie uns – wir beraten Sie gerne persönlich und stellen Ihre Nordperu-Reise massgeschneidert zusammen.
Weitere Reisevorschläge für Peru finden Sie in unserem Online-Reiseplaner, oder lesen Sie mehr zum Reiseland Peru und zur Planung einer gelungenen Peru-Reise.

